Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer

Moorschutz

Moorschutz ist in der heutigen Zeit ein vielfältiges Betätigungsfeld. Im Fokus des Naturschutzes ist der Schutz der Hochmoore seit den frühen 1970er Jahren. Anfangs war es reiner Lebensraumschutz, heute sind es vielfältige ökologische Aspekte und der Klimaschutz, der die Moorschützer anspornt. Moore sind riesige Speicher von Kohlenstoff. Obwohl sie weltweit nur drei Prozent der Landfläche bedecken, enthalten Moore 30 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs, weit mehr als zum Beispiel Wälder. Kommt dieser Speicher mit Sauerstoff in Kontakt werden klimaschädliche Gase wie CO2 freigesetzt. Der Kohlenstoffspeicher wird im wesentlichen von abgestorbenen Torfmoosen gebildet.

Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland. Die Ökologische Schutzstation engagiert sich im Moorschutz zwischen den Bereichen östlich der Landeshauptstadt (Altwarmbüchener Moor) bis ins Nienburger Land (Lichtenmoor).

Bei den Mooren, die per Definition aus einer Torfschicht von mindestens 30 cm Stärke bestehen, unterscheidet man zwischen den Niedermooren mit direktem Grundwassereinfluss und den Hochmooren, auch Regenmoore genannt, die oberflächlich nur vom Regenwasser gespeist werden. Natürliche ungestörte Hochmoore sind in Deutschland nicht mehr anzutreffen. Kleinflächig finden sich jedoch Bereiche mit naturnahen Strukturen. Typische Pflanzen der Hochmoore sind die grünen und roten Torfmoose, der Sonnentau, die Wollgräser, die Rosmarienheide und die Moosbeere.

Die nährstoffreicheren Niedermoore stellen sich heute meist als landwirtschaftliche Grünlandflächen und nur noch selten als offene Seggenrieder oder Erlenbruchwälder dar. Ein Beispiel sind die Meerbruchswiesen im Westen des Steinhuder Meeres, in denen durch den Stau von Abflussgräben eine vielfältige artenreiche, landwirtschaftlich extensiv genutzte Landschaft entstanden ist.

Hochmoore habe ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild. Viele Hochmoore sind geprägt durch den Aufwuchs von Birken und Kiefern, in Folge der Entwässerung die seit dem 17. Jahrhundert betrieben wurde, um Torf als Brennstoff zum Heizen zu gewinnen. Neben Versuchen Torf zum Verhütten von Erzen zu verwenden, war er auch ein beliebter Einstreu für Ställe. Gerade in der Nähe von Städten wurde im beginnenden 20. Jahrhundert viel Torf aus den Mooren geholt. Diese zerkuhlten Moore sind heute oft trockene Moorwälder mit wenigen Heideflächen.

Die größeren Hochmoore werden entweder als Grünland und teilweise Acker landwirtschaftlich genutzt oder werden von Erdenproduzenten industriell abgebaut. Torf gilt im Erwerbs- und im Hobbygartenbau als ideale Grundsubstanz für Blumenerden.

Torfabbau im Lichtenmoor

Als Informationsportale zum Moorschutz empfehlen wir:

www.moorschutz-deutschland.de
www.aktion-moorschutz.de

Seit mehr als 20 Jahren ist die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM e.V.) im Hochmoorschutz aktiv. Anfangs standen das Entkusseln und der Stau von Gräben per Hand im Vordergrund. Schwerpunkte waren das Tote Moor bei Neustadt und das Hagenburger Moor westlich des Steinhuder Meeres.

Wesentlich beim Hochmoorschutz ist die Wiederherstellung des hochmooreigenen Wasserhaushaltes. Hierzu muss das Regenwasser im Moor zurückgehalten werden. Zum einen sind hierfür die Gräben im Moor zu schließen, zum anderen müssen Dämme im und am Rand des Moorkomplexes gebaut werden. Durch die jahrzehntelange Austrocknung der Moore haben sich die Mooränder und auch die grabennahen Flächen in ihrer Oberflächenstruktur verändert, sie sind abgesackt bzw. haben sich in "Luft aufgelöst". Eine Wasserrückhaltung erfordert ein ausgeklügeltes System an Dämmen, teilweise erinnert die Wiedervernässung an Reisterrassen im asiatischen Raum.

Neben den Mooren, die für die Brenntorfgewinnung trocken gelegt wurden, stellen die Moorflächen nach dem Torfabbau, die Torfabbaufolgeflächen, ein wichtiges Betätigunsgfeld dar. Denn diese Flächen können sich nach Jahrzehnten zu Mooren aus zweiter Hand entwickeln. Voraussetzung dafür ist, dass die Oberfläche möglichst eben ist und dass die Wasserstände durch Verwallungen reguliert werden können. Auf solchen Flächen siedeln sich einige Pflanzen der Hochmoore an, meist jedoch nur die Pflanzen der feuchten Senken mit den grünen Torfmoosen. Die eigentlichen hochmoorbildenen meist roten Torfmoose und Pflanzen wie die seltene Rosmarienheide sind auf solchen Flächen nicht zu finden.

 

Die Wiedervernässung von Hochmooren erfordert einige planerische Vorarbeiten. Neben den Genehmigungsfragen (Eigentum, Wasserrecht, etc.) sind auch fachliche Aspekte wesentlich. Neben der Sondierung des Torfkörpers ist eine Geländeaufnahme der tatsächlichen Entwässerungssituation und die Analyse der Oberfläche wichtig. Früher musste die Mooroberfläche mit optischen Geräten eingemessen werden, heute helfen spezielle GPS Geräte, die neben der Lage auch die Höhe Zentimetergenau erfassen.

Für einige Moore gibt es auch spezielle Luftbildbefliegungen aus denen sich Höhenmodelle erstellen lassen. Solche Modelle ermöglichen das Auffinden kleinster Gräben und vereinfachen die Planung von Dammlinien.

Bei der praktischen Umsetzung der Wiedervernässungsmaßnahmen werden spezielle Moorbagger, Pistenraupen und Laserhöhenmessgeräte eingesetzt. Zur Gehölzentfernung von Walltrassen oder zur flächigen Freistellung werden Bagger mit hydraulischen Baumzangen eingesetzt. Auf nassen Böden oder bei kleineren Durchmessern der Gehölze kommen Traktoren oder Pistenraupen mit Forstmulchgeräten zum Einsatz. Teilweise werden auch Torfabbauflächen, die nicht zügig vernässt wurden, mit solchen Geräten baumfrei gehalten.

Die Dämme oder Wälle werden aus vor Ort gewonnenem Torf aufgesetzt. Vor dem Aufsetzten des Walls wird die Vegetation entfernt, damit Torf auf Torf liegt und keine „Drainagematte“ verbleibt. Der Wall wird mit Vegetationssoden abgedeckt. Neben dem Bau von Dämmen kommt auch dem Aufheben von Gräben, z. B. durch Umleitung um das Moor herum, eine wichtige Bedeutung zu. Die folgenden Bilder zeigen unterschiedliche Phasen der Vernässungsarbeiten.