Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer

Fischadler

Hilfe für Fischadler

Rückkehrer nach über 100 Jahren

Die charismatischen Fischadler (Pandion haliaetus) waren in Niedersachsen, ja sogar in der gesamten alten Bundesrepublik, über Jahrzehnte ausgestorben, bis sich im Jahr 1991 ein allererstes Brutpaar in unserem Bundesland ansiedelte. Langsam nahm ihre Zahl zu und 2005 brüteten vier Paare erfolgreich. Das war auch der Zeitpunkt, um in ein Schutzprojekt Fischadler einzusteigen, denn auch am Steinhuder Meer übersommerte 2005 ein Paar, ohne jedoch zu brüten.

Doch es muss kein Baum sein. Auch Leitungsmasten und ähnliche Konstruktionen werden von den Fischadlern schlichtweg als tote Bäume und damit als Nistmöglichkeiten anerkannt und so baute die ÖSSM im Februar 2006 zusammen mit EON eine erste Nisthilfe, die prompt angenommen wurde. Im Sommer 2006 flogen die ersten drei Jungvögel am Steinhuder Meer aus - nach wohl weit über 100 Jahren! Weitere Nisthilfen folgten. Dabei legten wir Wert darauf, unterschiedliche Nisthilfetypen zu bauen: Nisthilfen auf Baumspitzen, auf Leitungsmasten und auf errichteten Masten, die in Bäume installiert werden.

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Im Jahr 2010 brüteten erstmals zwei, 2012 drei, 2014 vier Fischadlerpaare am Steinhuder Meer und an der nahen Mittelweser. 2014 flogen (zu dem Zeitpunkt) sagenhafte 11 Jungvögel aus.

Der Bestand der Fischadler im ÖSSM-Betreuungsgebiet stieg aber noch weiter. 2016 bis 2018 brüteten sechs Paare und zogen in den drei Jahren insgesamt 40 Jungvögel auf. 2019 waren es schließlich zehn Brutpaare, die 16 Jungvögel großzogen. Leider verloren auch zwei Paare ihre Bruten. Ein Brutverlust wurde von Menschen verusacht, die am Nest gestört hatten. Bei dem anderen Paar sind die Ursachen des Brutverlustes unbekannt. Von 2006 bis 2019 zogen die Fischadler vom Steinhuder Meer und von der Mittelweser insgesamt phänominale 110 Jungvögel auf!

Landesweit gab es 2019 23 Brutpaare, die insgesamt 42 Jungvögel aufzogen. Die wachsende Fischadlerpopulation am Steinhuder Meer und an der Mittelweser stellt derzeit also etwa 40% des gesamten niedersächsischen Fischadlerbestandes. Ihr kommt somit eine große Bedeutung für den Erhalt der Art im Bundesland Niedersachsen zu. Alle Paare brüten im übrigen auf Nisthilfen, die von der ÖSSM und dem NABU Nienburg aufgestellt/angelegt wurden.


Im Jahr 2012 haben wir eine Nisthilfe mit einer Livcam ausgestattet. Mit dieser kann jeder via Internet im Frühjahr die spannende Jungenaufzucht der Fischadler beobachten (zur Fischadlercam).

 

 

Aufstellen der Fischadlernisthilfe. Aufgerichtet wird der Mast in einem Baum befestigt, so, dass die Plattform überragt.

Erfolg: dieser Horst wurde sogleich von einem Fischadlerpaar angenommen, das erfolgreich seine Jungen aufzog.

Das beringte Fischadlerweibchen P49

P49 hat einen extra Absatz verdient: 2006 war sie das Weibchen des ersten Fischadlerpaares am Steinhuder Meer seit mehr als 100 Jahren! Und seitdem hat sie bis heute (2015) jährlich gebrütet, einmal dabei den Brutplatz und mindestens einmal das Männchen gewechselt. Sie hat bis 2015 29 Jungvögel erfolgreich großgezogen und ist damit ganz sicher als die Mutter der gesamten Lokalpopulation bei uns zu bezeichnen, denn Fischadler kommen 3 -4 Jahre nach dem Ausfliegen gern zu ihrem Geburtsort zurück und siedeln sich in der Nähe an. P49 ist für uns ein bedeutender Vogel am Steinhuder Meer. Wir wissen nicht wo sie überwintert. Spanien? Westafrika? Aber wir wünschen uns, dass sie noch viele, viele Jahre wieder ans Steinhuder Meer zurückkommt.


Finanziell beteiligt waren unterschiedliche Gruppen des Naturschutzbundes (NABU), die Region Hannover, der Landkreis Nienburg, das Land Niedersachsen und private Spender.