Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer

Schutzprojekt für Flussseeschwalben

nach 50 Jahren wieder Brutvogel am Steinhuder Meer

Eine erfreuliche Nachrichten für alle Naturfreunde: Nach vielen Jahrzehnten Abwesenheit brüten seit 2014 wieder Flussseeschwalben an Niedersachsens größtem See. Die hübsche weiße Seeschwalbe mit der schwarzen Kappe und dem rotschwarzen Schnabel ist laut Roter Liste in Niedersachsen stark im Bestand gefährdet und im östlichen niedersächsischen Binnenland sogar unmittelbar vom Aussterben bedroht.

In den Meerbruchswiesen siedelte sich 2014 gleich eine Kolonie aus sechs Paaren an, die erfreulicherweise 14 Jungvögel aufzog. Als Neststandort nutzten die seltenen Vögel, die 1964 letztmalig am Steinhuder Meer brüteten, ein spezielles für die Vögel konzipiertes Brutfloß. Dieses bauten wir auf einem mehrere Jahre zuvor von uns angelegten Gewässer in der Nähe des Seeufers auf.
Motiviert durch den Erfolg setzten wir im Frühling 2015 ein weiteres, größeres Floß auf das Gewässer. Anfang Mai trafen die ersten Vögel ein und besetzen zunächst das „alte“ Floß. Vier Paare begannen im Juni dann mit der Brut auf dem neuen Floß (siehe Webcams).

Im Jahr 2017 haben wir die Flöße vor der Brutzeit baulich verändert, um den Waschbären, die 2016 sämtliche Gelege von 25 Paaren aufgerieben haben, einen Streich zu spielen. Das ist auch gelungen und wir haben keinen Verlust durch Beutegreifer feststellen müssen.

Auf einem – dem größten – Floß befinden sich zwei Webcams (zu Brutzeit hier zu sehen) und somit haben wir von diesem auch verlässliche Daten über diesen Teil der Kolonie. Auf dem – nennen wir es mal – Kamerafloß brüteten 12 Paare. 10 Paare hatten bereits am 07. Juni ein Gelege. Alle diese 10 Paare haben erfolgreich Jungvögel aufgezogen – insgesamt genau 25! Diese sind Ende Juli flügge geworden. Man erkennt sie an der unvollständigen schwarzen Kopfkappe und den bräunlichen Querstreifen auf den Flügeln. Na klar – und natürlich an den ewig offenen Schnabel und an den Bettelrufen. Ansonsten sehen sie Ihren Eltern dann schon recht ähnlich.

25 Jungvögel – trotz Wind und Wetter – das ist ein ganz hervorragendes Ergebnis und zeigt, wie nahrungsreich die Umgebung ist. Ein weiteres, elftes Paar begann am 19.6. mit der Eiablage, gab das Gelege am 27.06 auf. Die Gründe kennen wir nicht. Der späte Eiablagetermin lässt ein junges Paar vermuten, denn Flussseeschwalben brüten meist erst mit etwa 3-4 Jahren erstmalig und dann ist der Bruterfolg meist gering, und oft werden die Gelege aufgegeben.

Überraschend tauchte am 04. Juli ein zwölftes Paar auf und begann mit der Brut. Ob es sich um ein Paar mit Ersatzgelege handelt oder auch ein junges Paar, das wissen wir nicht. Sie hatten zwei Jungvögel.

Auch auf den anderen beiden Flößen tat sich was. Nur: die Flöße sind jetzt mit Hilfe einer Blechmanschette zwar waschbärsicher, diese verhindern aber die Sicht auf die Flöße und man kann sie deswegen nicht mehr so einfach kontrolllieren. Ungefähr 10 weitere Paare sind auf den beiden anderen Flößen und dürften eine ähnliche Zahl flügger Jungvögel/Paar wie ihre Koloniemitbewohner aufgezogen haben. Wir gehen also davon aus, dass etwa 45-50 Jungvögel die Flöße verlassen haben.


Die speziellen Nistflöße wurden vom Land Niedersachsen, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, der Region Hannover, vom NABU-Neustadt und aus Spenden finanziert.