Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer

Pressemeldung

ÖSSM Mitarbeiter beobachtet absichtliches Ertränken eines seltenen Vogels durch einen Fischer

Naturschützer fordern Land Niedersachsen als Verpächter der Fischereirechte zum sofortigen Handeln auf.

 

Ein studentischer Mitarbeiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM e.V.) traute seinen Augen nicht, als er am Montag letzter Woche (12.11.2018) einen Sterntaucher sah, der sich in einem Stellnetz verfangen hatte. Das Netz befand sich in der Nähe der Badeinsel im Steinhuder Meer. Als sich ein Fischerboot näherte, wähnte er den seltenen Vogel schon in Sicherheit. Was aber dann geschah, können die Naturschützer in der ÖSSM bis heute nicht fassen. Anstatt den noch vitalen Vogel aus dem Netz zu retten, beschwerte der Fischer das Netz mit dem Vogel mit Hilfe einer Eisenstange und ertränkte diesen. Einige Minuten später entfernte der Fischer den vorsätzlich ertränkten Sterntaucher, packte diesen zu den gefangenen Fischen ins Boot und fuhr davon.

„Nach unserem Rechtsverständnis dürfte es sich beim absichtlichen Ertränken des besonders geschützten Vogels um einen Straftat handeln“, so Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM. Deswegen habe man den Fall auch an die Polizei gemeldet, die derweil ermittelt. Und auch die Verwendung der sehr dünnen Stellnetze, die für tauchende und schwimmende Wasservögel kaum sichtbar sind, kritisieren die Naturschützer. „Die Netze sind reinste Vogelfallen und wir gehen davon aus, dass damit dutzende Vögel gefangen werden. Solch ein rücksichtsloses und ignorantes Vorgehen beim Fischfang ist in einem Schutzgebiet von internationaler Bedeutung wie dem Steinhuder Meer völlig unakzeptabel“, so Brandt.
Und auch dafür, dass es der ein oder andere Fischer mit der Gesetzestreue nicht so ernst nehme, gäbe es weitere Hinweise. Erst im letzten Jahr konnte eine Ente kurz vor dem jämmerlichen Ertrinken gerade noch aus einer Fischreuse gerettet werden. Dabei stellte sich heraus, dass der betreffende Fischer nicht den seit mehreren Jahren gerichtlich vorgeschriebenen Fischotterschutz in die Reuse eingebaut hatte. „So wie die Berufsfischerei derzeit am Steinhuder Meer betrieben wird, wird von Netz- und Reusenbetreibern der Tod zahlreicher geschützter Tiere billigend in Kauf genommen. Das ist nach unserem Verständnis weder gesetzes-, tierschutz- noch gesellschaftskonform und außerdem moralisch höchst verwerflich“, so Thomas Beuster, Geschäftsführer der ÖSSM. Die ÖSSM fordert deswegen Konsequenzen und erwartet vom Land Niedersachsen als Eigentümer des Steinhuder Meeres, dass der Pachtvertrag mit dem Fischereiverein Steinhude gekündigt wird. Außerdem bittet die ÖSSM die Bevölkerung, auf in Fischnetzen verfangene Vögel zu achten und diese umgehend bei der Polizei zu melden, damit sie gerettet werden können.


Steckbrief Sterntaucher:
Die ca. 60 cm großen, eleganten Sterntaucher brüten in Skandinavien, im Norden Russlands, auf Island und nur noch sehr wenige Paare in Schottland. Im Winter halten sie sich an der Küste wärmerer Gegenden auf wie z.B. an der deutschen Nordseeküste und leben hier von Kleinfischen und Krebsen. Während sie im Sommer ein schmuckes Prachtkleid tragen, sind sie im Winter schlicht gefärbt. Im Binnenland sind Sterntaucher selten, auf dem Steinhuder Meer können die besonders geschützten Vögel nicht in jedem Jahr beobachtet werden.

Foto 1: Der Sterntaucher kurz vor seiner Tötung durch einen Fischer - durch ein Fernrohr fotografiert. Foto: ÖSSM

Foto 2 Tückisch! Die weitgehend unter Wasser aufgestellten, feinen Stellnetzte sind für die Vögel nur schlecht sichtbar. Foto: ÖSSM

Foto 3: Die Idylle trügt: An der Badeinsel stehen für Vögel todbringende Netze, die nach Meinung der ÖSSM umgehend entfernt werden müssen. Foto: ÖSSM