Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer

Projekt Torfmoosvermehrung

Vermehrung seltener Torfmoose für die Hochmoorrenaturierung

Torfmoose sind in einem Moor die wichtigsten Arten. Sie sind nicht nur perfekt an den Lebensraum angepasst, sondern auch in der Lage diesen aktiv zu gestalten. Torfmoospolster speichern die Niederschläge wie ein großer Schwamm. Sie wachsen kontinuierlich in die Höhe, während ihre Basis nach und nach abstirbt. Die abgestorbene Biomasse wird nur unvollständig zersetzt und es bildet sich Torf, in dem Kohlenstoff gespeichert ist. Deshalb sind intakte Moore Kohlenstoffsenken und leisten einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz. Die meisten Moore in Niedersachsen sind durch Entwässerung und Nährstoffeinträge jedoch stark geschädigt oder vollständig zerstört.

Mithilfe von Renaturierungsmaßnahmen werden die Flächen nach dem Ende des Torfabbaus wieder vernässt. Häufig fehlen in den Flächen jedoch auch Jahrzehnte nach den Maßnahmen einige wichtige Torfmoosarten. Durch die industrielle Abtorfung gibt es im Umkreis oftmals keinerlei Restbestände dieser hochmoortypischen Arten. Eine natürliche Wiederbesiedlung ist nicht möglich und es kann sich kein wachsendes Hochmoor neu entwickeln.

Das Projekt

Um die Ansiedlung der Torfmoose nach der Vernässung zu unterstützen, erfolgt seit 2020 zunächst eine kontrollierte Zwischenvermehrung. In dem von Leader und der BINGO-Umweltstiftung finanzierten Projekt werden die Torfmoose unter optimalen Wachstumsbedingungen auf Gewächshaustischen und einem eigens angelegten Torfmoosfeld vermehrt, um sie in großem Umfang wieder ansiedeln zu können.

Neben den Torfmoosarten Sphagnum medium, S. papillosum und S. rubellum werden auch weitere sehr seltene Torfmoosarten wie S. molle und S. tenellum vermehrt. Mit einer konstanten Bewässerung ist eine Ernte und Vermehrung der Moose alle 12-16 Monate möglich. Der Torfmoosrasen erreicht in dieser Zeit eine Höhe von bis zu 8 Zentimetern.

Neben den Torfmoosen werden auch weitere hochmoortypische Arten, die im Spendermaterial vorhanden sind, vermehrt und später in Renaturierungsflächen eingebracht. Dazu zählen neben Sonnentau (Drosera rutundifolia) und Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), auch Glockenheide (Erica tetralix), Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und das Weiße Schnabelried (Rhynchospora alba). Insbesondere die Gefäßpflanzen tragen durch eine Verbesserung des Mikroklimas zu einer besseren Etablierung der Moose bei und erhöhen die Artenvielfalt in den späteren Zielflächen. Viele der Arten sind ebenfalls stark gefährdet und inzwischen sehr selten.

Ausbringung in Renaturierungsflächen

Die Auswahl und Ausbringung der vermehrten Moose in geeignete Zielflächen mit einer erfolgreichen Etablierung ist eine Herausforderung. Neben konstanten Wasserständen sind eine bereits etablierte Primärvegetation wichtige Voraussetzungen, um einen hochspezialisierten Lebensraum wiederherzustellen.

Mit dieser Maßnahme wird die Zusammenarbeit und die Initiierung, Organisation und Umsetzung von Projekten zur nachhaltigen Entwicklung in ländlichen Gebieten („LEADER-Region“) unterstützt.