Schutz der Karausche am Steinhuder Meer

Kaum zu glauben, aber leider wahr: Die Karausche ist am Steinhuder Meer und seinen Nebengewässern fast oder sogar ganz ausgestorben. Eine Fischart, die vor 50 Jahren noch so häufig war, dass man sie zu Tierfutter verarbeitet hat. Schuld daran ist der Verlust extremer Lebensräume (z. B. flache Auengewässer mit wenig Sauerstoff oder durchfrierende Gewässer) und die Hybridisierung mit dem optisch ähnlichen Fremdfisch Giebel, der Wildform des Goldfisches.

Zahlreiche Gewässer haben wir mit E-Befischung untersucht und wir sind vielen Hinweisen nachgegangen – alles in der Hoffnung noch ein paar Karauschen für die Nachzucht zu finden. Alles war ergebnislos, alle gefangenen, angeblichen „Karauschen“ waren Giebel oder Hybriden.

Glücklicherweise konnten wir eine Teichwirtschaft in Eschede-Lohe (Lohhof, Familie Kohlhoff) finden, die seit den 1970er Jahren Karauschen züchtet. Die Fische stammen aus dem Aller-Leine-Weser-Einzugsbereich und sind somit für den Steinhuder Meer Bereich als genetisch passend anzusehen. 2011 haben wir die ersten 1.000 zweisömmerigen Karauschen in vier Gewässer eingesetzt, in diesem Jahr 2012 folgten 1.000 Karauschen in drei weiteren Gewässern. Die Gewässer wurden ebenfalls im Zuge unseres vom Land Niedersachsen und der Bingo-Umweltstiftung geförderten Kleinfisch-Schutzprojektes ein paar Jahre zuvor angelegt und dürften ideale Vorraussetzungen für die Vermehrung der eingesetzten Karauschen bieten. Die Freude war groß, als wir vor laufender Kamera – in der Fernsehsendung BINGO wurde am 21.10.2012 über unser Projekt berichtet – die erste Jungfische gleich im ersten der Aussetzungsgewässer nachweisen konnten. Die aktuellen Karauschengewässer liegen außerhalb des Überschwemmungsbereiches, so dass keine Giebel in die Gewässer gelangen können.

Und jedem, dem das Schicksal der Karausche am Herzen liegt, der sollte dazu beitragen, dass keine Goldfische und Giebel in Gewässer eingebracht werden. Ohnehin sollten Fische nur nach sorgfältigster Prüfung in Gewässer eingestzt werden. Unbedacht wurden viele wichtige Amphibiengewässer mit Fischen besetzt, was fatale Folgen für ganze Amphibienpopulationen nach sich zog, denn Fische und Amphibien „vertragen“ sich meist nicht...

Fotos:
1 – Karauschen werden auf dem gelände der Teichwirtschaft Lohhof sondiert und gezählt.
2 – Transport zum Steinhuder Meerr in großen Plastikbeuteln
3 – Hübsch goldig und – ganz wichtig – mit der nach außen gebogenen (konvexen) Rückenflosse als ein (!) Bestimmungsmerkmal.
4 – Aussetzung am neuen „Karauschenteich“ am Steinhuder Meer unter Begutachtung des Fischexperten  Dr. Oliver Finch (2. v.l.)


Projektpartner: Bingo-Umweltstiftung, Land Niedersachsen

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