Zweite Auswilderung der Europäischen Sumpfschildkröte am Steinhuder Meer

Presseinfo des Nds. NABU-Landesverbands:

Niedersächsischer Umweltminister und NABU-Präsident besuchen das Projektgebiet

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Rehburg-Loccum, Hannover – Im Beisein von Stefan Wenzel, Umweltminister im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, und Olaf Tschimpke, NABU-Präsident, wurden heute (Donnerstag, 23. Juli) 15 junge Sumpfschildkröten an einem Auswilderungsgewässer im Naturschutzgebiet ‚Meerbruchswiesen’, westlich des Steinhuder Meeres in die Natur entlassen.

Vor zwei Jahren wurde das Projekt zur Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte am Steinhuder Meer begonnen, um diese ehemals in Niedersachsen vorkommende Art wieder heimisch werden zu lassen. Auf Initiative des Niedersächsischen Umweltministeriums im Rahmen des Programms ‚Arche Niedersachsen’ wurde das Projekt vom NABU Niedersachsen entwickelt. Die Wiederansiedlungsmaßnahmen werden nicht nur von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftungs-GmbH finanziert, sondern auch vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Region Hannover gefördert. Die Leitung des Projekts obliegt dem NABU Niedersachsen mit dem NABU-Artenschutzzentrum Leiferde in Zusammenarbeit mit der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM).

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Dr. Holger Buschmann, NABU Landesvorsitzender, erklärte für die Projektverantwortlichen: „Es ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen, eine ausgestorbene Art wieder heimisch zu machen. Das Ziel ist es, langfristig überlebensfähige Vorkommen mit genetischer Eignung zu etablieren.“ Dr. Holger Buschmann dankte allen Projektbeteiligten für die gute Zusammenarbeit und wies darauf hin, dass neben der Wiederansiedlung an sich ganz besonders der Wissenszuwachs bei dem Projekt zum Erfolg solcher Artenschutzmaßnahmen beitragen wird.

Stefan Wenzel, Umweltminister, sagte: „Wir setzen uns für den Artenschutz ein, um den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu fördern. Wir schützen deren natürliche Lebensgrundlagen und stärken damit die Artenviel-falt. Die Sumpfschildkröte gilt als „besonders“ und „streng geschützte“ Art, die in West- und Mitteleuropa nahezu ausgestorben ist. Sie ist die letzte in Mitteleuropa natürlich vorkommende Schildkrötenart. Die Ansiedlung und der Schutz der Sumpfschildkröte ist uns deshalb ein besonderes Anliegen; ist ihr Lebensraum in Ordnung, dann können auch andere seltene und geschützte Arten langfristig eine Heimat am Steinhuder Meer finden. Amphibien und Reptilien, Heuschrecken und Libellen finden hier ihren Platz, und auch seltene Pflanzenarten siedeln sich wieder an.“

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident, betonte: „Ein wichtiges Ziel des NABU ist der Erhalt der biologischen Vielfalt. Dies bedeutet jedoch, nicht nur den Schutz seltener und bedrohter Arten zu fördern, sondern auch vielfach die Wiederan-siedlung bereits ausgestorbener Arten. Es freut mich daher besonders, wenn in Niedersachsen Anstrengungen unternommen werden, eine deutschland- und europaweit stark gefährdete ehemals heimische Art wie die Europäische Sumpfschildkröte in geeigneten Lebensräumen wiederanzusiedeln.“

Mit dem Ziel eine langfristig überlebensfähige Population der Europäischen Sumpfschildkröte am Steinhuder Meer aufzubauen, sollen über einen Zeitraum von zunächst 20 Jahren jährlich mindestens 10-50 Exemplare an verschiedenen Gewässern im westlichen Teil des Steinhuder Meeres ausgewildert werden. Die Auswilderungstiere stammen von verschiedenen Züchtern mit genetisch geeigneten Elterntieren und zukünftig auch von der NABU-eigenen Zuchtgruppe. Alle Jungtiere werden für mindestens drei Jahre im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde aufgezogen. Dort wurde für die artgerechte Unterbringung der Auswilderungs- und Zuchttiere eine Innen- und Außenanlage mit Förderung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung in der Vorbereitungsphase erbaut. Sea Life Hannover als ein Kooperationspartner des Projekts unterstützt zudem die Arbeiten durch die Aufzucht einiger Jungtiere. Im Rahmen der Sea Life Hannover-NABU-.Kooperation unterstützen 21 Schüler der „Sumpfschildkröten-Projekt-Schulklasse“ 5e der IGS Celle die Auswilderung der Sumpfschildkröten im Rahmen des NABU-Projektes.

In diesem Jahr werden insgesamt 50 Sumpfschildkröten in drei Auswilderungsgewässern freigelassen. Ein Teil der dies- und letztjährigen Auswilderungstiere wird mit Sendern bestückt, die die Verfolgung der Tiere in ihren ersten Monaten und Jahren in Freiheit durch Projektmitarbeiter ermöglicht. Obwohl sich die ersten Exemplare bisher nur in Gewässern aufhalten, die nicht öffentlich zugänglich sind, kann es später möglich sein, Sumpfschildkröten an öffentlich zugänglichen Gewässern bzw. bei Überlandwanderungen im Naturschutzgebiet  ‚Meerbruchswiesen’ zu beobachten. Es wird darum gebeten, Meldungen gesichteter Sumpfschildkröten an den NABU Niedersachsen weiterzugeben, da sie wichtige Zusatzinformationen zum jährlichen Monitoring darstellen, Telefon: 0511 / 91105-0.

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